Berbisdorf
...ein kurzer Abriss zur Geschichte des Ortes

Im Mittelalter war der Ort eine Liegenschaft der Herren von Waldenburg, welche ihren Sitz in Wolkenstein hatten.
 

1381
A
m 21. März, verkauften Hans von Waldenburg und seine Söhne die Bauerndörfer Berbisdorf und Eibenberg an die Pfarrkirche zu Ehrenfriedersdorf. In eben diesen Verkaufsdokument findet sich erstmals der Name “Berbisdorf” und somit gilt das Jahr 1381 als Gründungsdatum für die Gemeinde. (Es ist aber davon auszugehen, dass die Besiedlung dieses Fleckens bis zu 100 Jahre früher begann.)
Der Name selbst rührt wahrscheinlich von einem der ersten Ansiedler, “Berwig” genannt, her. Jahrhunderte lang war Berbisdorf ein reines Bauerndorf und blieb es bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Fotopostkarte um 1932.
Oben Teilansicht aus nördlicher Richtung gesehen, links unten das “Keglerheim”, rechts die Kirche.

Berbisdorf, unterer Ortsteils in den 1920er Jahren. Das Bauerngut oben links: Schubert-Bauer, ganz rechts: Weiß-Bauer, in der Mitte das Edelmann-Haus.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

Berbisdorf, Pappelweg, nach 1905. Ganz links das Lehngericht.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

Postkarte, gelaufen am 17. Oktober 1911. Oben Lehngericht und Turnhalle, unten links Schule, Gasthof “Friedenseiche” und Kirche. Rechts Blick zur Ortsmitte mit Strumpffabrik Richter.

Die Turnhalle, 1904 erbaut.
Die Karte lief postalisch am 9. April 1912.

Unterer Ortsteil, 20. August 2005.

 

Die ehemalige Schule, 20. August 2005.

 

1537
gelang dem Ort auf vertraglicher Basis eine Ablösung der Frondienste durch Geld. Der Hintergrund war der, dass diese Frondienste in Ehrenfriedersdorf abzuleisten waren. Die Bauern konnten somit nur einen geringen Teil ihrer Arbeitszeit auf dem eigenen Hofe verbringen, da schon der Weg nach Ehrenfriedersdorf erhebliche Zeit in Anspruch nahm, vom Zeitrahmen der eigentlichen Frondienste ganz zu schweigen.

1550
wurde Berbisdorf der Amtshauptmannschaft Forchheim zugeschlagen (vorher: Amtshauptmannschaft Wolkenstein).

1618 - 1648
Der Dreißigjährige Krieg verschont auch Berbisdorf nicht, verschiedene Quellen berichten, dass der Ort von feindlichen Truppen heimgesucht wurde. Ob es aber die meist genannten “Hussiten” waren, muss bezweifelt werden.

1831
Berbisdorf zählt 16 Bauern, 34 Häusler (Hausbesitzer) und 34 Hausgenossen (Mieter).

1840
Die Einwohnerzahl beträgt 524 Einwohner und wächst in den folgenden fünf Jahrzehnten auf 854 Einwohner an.

1846
Ein erster Hauch des begonnenen Industriezeitalters streift Berbisdorf, die Strumpffabrik F.A. Löffler wird gegründet.

1855
Der Friedhof wird neu angelegt.

1875
Gründung der Strumpffabrik Herrmann Richter. Mit Ausnahme der zwei Strumpffabriken ging der Kelch der Vor- und Nachteile der Industrialisierung im großen und ganzen an der Gemeinde vorbei. Es gab beispielsweise nie einen Bahnanschluss. Die Einwohnerzahl stieg gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf ca. 900 Personen.

1899
wird ein neues Schulgebäude mit 3 Klassen errichtet.

1904
Bau der Turnhalle gegenüber dem Lehngericht.

1905
Bau der Kirche.

1935
erfolgt die Eingemeindung nach Einsiedel.
Im „Wochenblatt für Einsiedel“ war seinerzeit folgende Erklärung zu lesen:
Aus alten Schriften... „Durch Verfügung des Reichsstatthalters Mutschmann ist mit Wirkung
 vom 15. Juli 1935 die Gemeinde Berbisdorf in die Gemeinde Einsiedel
 (Amtshauptmannschaft Chemnitz) eingegliedert worden. Die Gemeinde
 Berbisdorf führt den Namen Ortsteil Berbisdorf.“

Diese Eingemeindung war allerdings kein Willkürakt nationalsozialistischer Diktatur, sondern durch wirtschaftliche Notwendigkeit gegeben. Eingemeindungen gab es schon seit dem Mittelalter und sie forcierten sich mit zunehmender Industrialisierung. Ein nahe liegendes Beispiel ist wohl Chemnitz, hier wurden zwischen 1844 und 1929 16 Vororte eingemeindet.
Aber natürlich war nach bekannt werden der Eingemeindungspläne die Aufregung in Berbisdorf groß. Die Gemeindevertreter forderten den damaligen Bürgermeister Meyer auf, im Ort eine Unterschriftenliste gegen diesen Beschluss herumgehen zu lassen, da man glaubte, Einsiedel wolle sich auf Kosten der Berbisdorfer sanieren. Es muss noch gesagt werden, dass bereits 1934 Gespräche zwischen den beiden wirtschaftlich schwachen Dörfern Berbisdorf und Eibenberg mit der Gemeinde Kemtau geführt wurden, um die Möglichkeiten eines Zusammenschlusses der drei Orte zu sondieren. Diese Gespräche scheiterten und so kam es, dass Eibenberg nach Kemtau und Berbisdorf nach Einsiedel „zwangsweise“ eingemeindet wurden.
Durch den Zusammenschluss vergrößerte sich Einsiedel auf fast 1050 Hektar, die Einwohnerzahl stieg um 831 auf 6176.

1945
Am 6. Februar erster Bombenangriff auf Berbisdorf. Der Versuch, die Masten der Überlandleitung zu treffen, schlug fehl. Lediglich die Leitung wurde unterbrochen, der Schaden war am Folgetag repariert. Schlimmer war, dass dieser einzelne Flieger nach Einsiedel flog und weitere Bomben über der Eibenberger Straße ausklinkte. Zwei Menschen starben hier.
Am 2. März erneuter Fliegerangriff auf Berbisdorf. Der Großteil der Bomben ging auf den umliegenden Feldern nieder. Eine einzelne traf jedoch das Bauerngut Weiß. Hier fielen der Eigentümer Fritz Weiß, dessen Sohn und das Landjahrmädel dem Bombenterror zum Opfer. Ein dritter und vierter Bombenangriff erfolgte am 5. März.

1964
Im Zuge des NAW leisteten 105 Berbisdorfer 1.300 Arbeitsstunden und schufen innerhalb eines Monats eine Buswendeschleife. Am 31. Mai (ein Sonntag) wurde die Wendeschleife feierlich übergeben, am 1. Juni fuhr der erste Bus nach Berbisdorf. Im gleichen Jahr wird die Schule geschlossen, die Berbisdorfer Kinder gehen (...fahren) jetzt nach Einsiedel.

1974
begann man mit dem Bau einer Wasserleitung für Berbisdorf und Eibenberg. Auch dies geschah zu einem großen Teil in Eigeninitiative der Einwohner (sog. “Mach-mit-Wettbewerb”).

1976
Am 12. Dezember wird der letzte Bauabschnitt der Wasserleitung übergeben.

1981
Vom 5. bis 12. Juli findet eine 600-Jahr-Feier in Berbisdorf statt.

2006
625-Jahr-Feier? Fehlanzeige!

 

 

Hintergrundwissen Reichsstatthalter:
Die Reichsstatthalter waren seit 1933 im „Dritten Reich“  die ständigen Vertreter der Reichsregierung in den deutschen Ländern um deren „Gleichschaltung“ in allen Bereichen der Staatstätigkeit zu überwachen. Seit 1935 führten sie die Reichspolitik in den Ländern selbst durch.

Martin MutschmannHintergrundwissen Mutschmann:
Martin Mutschmann, deutscher Politiker, geboren am 9. März 1879 in Hirschberg/Saale, Preußen, Provinz Sachsen, gestorben am 14. Februar 1947 in Moskau. Von 1907-1931 Spitzen-Fabrikant in Plauen, seit 1922 Mitglied der NSDAP und von 1925 bis 1945 Leiter des Gaues Sachsen dieser Partei. Ab 1933 Reichsstatthalter und ab 1935 „Führer der sächsischen Landesregierung“. Mutschmann war Förderer des sächsischen Jagdwesens und Gründer des „Heimatwerkes Sachsen“, welches sich für die sogenannte Volkskunst wie z. B. erzgebirgische Schnitzereien einsetzte und vehement gegen Verunglimpfungen Sachsens und seiner Bürger wegen des Sprachdialektes vorging. Allgemein hatte Martin Mutschmann aber einen schlechten öffentlichen Leumund in Sachsen und im Reich, welcher auf seiner allseits bekannten “Führungsschwäche “ beruhte.
Kurz nach Kriegsende wurde Mutschmann am 16. Mai 1945 von den sowjetischen Besatzungstruppen nach Moskau verbracht, dort von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und im Gefängnis "Lubjanka" erschossen.

 

 

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