Berbisdorf    Gedenktafel für den Krieg 1870-71
"Ihren bei Sedan gefallenen Söhnen..."

Im Jahre 1895 ließ die damals noch selbständige Gemeinde Berbisdorf für ihre beiden in der Schlacht bei Sedan gefallenen Bürger eine Gedenk- und Erinnerungstafel gießen.

Links ein Foto aus den 1930er Jahren (Ingobert Rost). Bei dem im Hintergrund sichtbaren Gebäude handelt es sich um die Gaststätte “Friedenseiche”.

Der Standort dieses – umgangssprachlich als „Sedantafel“ bezeichneten - Ehrenmals war im so genannten „Ehrenhain“. Diesen gibt es noch heute, dort befindet sich auch das Berbisdorfer Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges 1914-18.
Die Tafel stand dort zwischen zwei kleineren Eichen, von denen sie links und rechts umrahmt war. Diese Bäume finden wir auch noch am 28. Mai 2006 vor (Foto oben).

Die Schlacht bei Sedan - welche zur Grundlage für diese Gedenktafel wurde, fand am 1. und 2. September 1870 statt und brachte die Wende und Entscheidung im Deutsch-Französischen Krieg und bescherte in ihrer letzten Konsequenz den deutschen Einzelstaaten ein neues Reich, das so genannte  “Deutsche Kaiserreich” oder auch “Zweite Reich”. Es sollte bis 1918 bestehen. Ich habe bereits an anderer Stelle hier im Projekt über den “Deutsch-Französischen Krieg 1870/71” und die Reichsgründung 1871 geschrieben.
Die Endkonsequenz der Schlacht von Sedan war für die Gemeinde Berbisdorf, dass diese zwei Tote aus ihrer Dorfgemeinschaft zu beklagen hatte.
Den 25. Jahrestages der Schlacht im Jahre 1895 nahm man schließlich zum Anlass, um der Toten würdig zu gedenken. Man ließ die besagte Tafel gießen und stellte sie im gemeindeeigenen Ehrenhain auf.

Hier überstand dieser Zeitzeuge deutscher Geschichte eine Monarchie (Kaiserreich), eine Demokratie (Weimarer Republik), den Nationalsozialismus (Drittes Reich) und als längsten Zeitraum die sozialistische Ära der DDR. Um die 100 Jahre stand die Tafel am selben Platze, bis zum Ende des Dritten Reiches, aber auch die ganze Zeit davor als Ehrenmal für die beiden Männer betrachtet. In der DDR-Zeit unbeachtet, brachte dann unsere neue Demokratie, in der wir heute leben, das Ende für das Denkmal.

Mitte der 1990er Jahre ließ die Einsiedler Gemeindeverwaltung die Tafel entfernen. Der schmiedeeiserne Rahmen, der die Tafel trägt, war an seiner Fußseite in Folge von Korrosion in äußerst schlechter Verfassung, die -sehr schwere- Tafel drohte umzustürzen. Aber die Schäden wurden nicht etwa ausgebessert, sondern das gesamte Denkmal ausgegraben und nach Einsiedel ins Rathaus gebracht. Hier wurde die Tafel mit der Schriftseite, welche einstmals erhaben gegossen war, an die Außenwand des Hintergebäudes im Rathaushof gestellt.
Dort stand sie dann reichlich zehn Jahre und die gaben ihr den Rest. Vermutlich war es der Außenputz des Gebäudes, an dem sie lehnte, der bei Nässe entsprechend reagierte und die Korrosion an der Tafel dermaßen vorantrieb, dass es für eine Rettung fast zu spät war, als Heimatfreunde das Thema wieder aufgriffen. Die beiden Fotos zeigen die Tafel an besagter Stelle im Hof des Einsiedler Rathauses im März 2006.

 

 

 Nachdem in der Geschichtsgruppe des Einsiedler Haus- und Grundbesitzervereins das Thema erörtert worden war und
 nach Absprache mit dem Ortschaftsrat wurde die Tafel vom Verfasser mit allerhand Unterstützung von verschiedenen
 Seiten am 28. Mai 2006 geborgen und es begann eine Wiederaufarbeitung, so gut es eben ging.

 

 

 

 Die beiden Fotos unten zeigen Mario Lawatsch und Jörg Herrmann bei der Bergung der Tafel am 28. Mai 2006.

Bruchstellen am Rahmen konnten von Mario Lawatsch verhältnismäßig leicht repariert/geschweißt werden.
Im unteren Bereich wurden noch zwei Querträger angebracht, die später im Sockelbeton verschwinden und wieder eine hohe Standfestigkeit gewährleisten sollen.

Der Rahmen wurde dann von Jörg Herrmann sandgestrahlt.

 

Die Tafel indes konnte nur noch leicht abgeschliffen werden, zu stark waren die Schäden durch den Rostfraß. Was eigentlich schon vor dem Abschleifen klar war, wurde nun um so deutlicher. Die kleineren, ehemals erhaben gegossenen Wörter und Sätze waren unwiederbringlich verloren, zehn Jahre Korrosion hatten ganze Arbeit geleistet...

Der Haus- und Grundbesitzerverein Einsiedel war es dann, der ein neues Emailleschild finanzierte, um den ursprünglichen Text wieder lebendig werden zu lassen. Der Wortlaut konnte an Hand des alten Fotos eingangs dieser Seite identifiziert werden.
Anfangs war geplant, dieses neue Emailleschild unterhalb -der mittlerweile mehrfach mit Metallschutzlack überzogenen- Gusstafel am Rahmen mit anzubringen, wie es hier auf dem Foto nebenstehenden demonstriert ist.
Die Aufnahme entstand am 26. Mai 2007 anlässlich des Einsiedler Straßenfestes, wo die Tafel mit einigen erklärenden Worten schon mal ausgestellt wurde. 

Es zeigte sich, dass ein separater Schildständer sich wesentlich besser in das Gesamtbild einfügen würde. Einen solchen Schildständer ließ der Vorsitzende des Einsiedler Haus- und Grundbesitzervereins, Gerd Arnold, letztendlich auch in der Berbisdorfer Blechnerei herstellen.

29. August 2007: Wie oben erwähnt, befand sich die Tafel ursprünglich zwischen den zwei kleinen Eichen rechts des Kriegerdenkmals 1914-18. Nach einigen Überlegungen wurde sie aber nunmehr links des Denkmals eingesetzt. Einerseits kommt sie dort viel besser zur Geltung, andererseits ließe sich irgendwann einmal eine weitere Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkrieges rechterhand des Denkmals anbringen, so dass eine chronologische Reihenfolge 1870-71, 1914-18, 1939-45 gegeben wäre.

Der “Tiefbautrupp” von links:
Antonio Claus, Reiner Dittrich, Gerd Arnold, Herbert Hänsch.......Carsten Claus (Verfasser) und Gunter Zimmermann.

Die Arbeiten gingen zügig voran: Viele Hände - Schnelles Ende.

 

Wie es die Vorsehung wollte, fiel der 1. September 2007 auf einen Samstag, und so wurde am 137. Jahrestage der Schlacht von Sedan die Tafel erneut eingeweiht.
Es ist zu vermuten, dass die Einweihung 1895 wahrscheinlich am 2. September stattfand, schließlich war das damals der Nationalfeiertag im Deutschen Reich (...an diesem Tage unterzeichneten die Franzosen die Kapitulation). Ganz so spektakulär wie seinerzeit im Kaiserreich (Postkarte rechts) ging es freilich nicht zu, da auch keinerlei “Werbung” für die Weihe gemacht wurde...

...und so trafen sich um 14:00 Uhr einige Vereinsmitglieder und lauschten Ingobert Rost (3.v.l.) und Ulrich Piqué (2.v.l.), die einige erklärende Worte aus dem Stehgreif machten. Hier erfuhren wir, dass die Tafel vermutlich in der Eisengießerei Leimbrock gegossen wurde und dass die Familien der beiden Gefallenen, Hermann Abendroth und Bernhard Schmidt, später nicht mehr in Berbisdorf zu finden waren. Vielleicht sind diese Familien hier ausgestorben, Nachkommen fanden sich in späteren Adressbüchern jedenfalls nicht mehr.

Zur Enthüllung durfte ich persönlich schreiten.


 

Auf dem Gruppenfoto von links:
Frank Vogelsang, Ulrich Piqué, Herbert Hänsch, Gerd Arnold, Carsten Claus, Gunter Zimmermann und Ingobert Rost.

 


 

Nun: Hoffen wir auf eine lange Standzeit dieser Tafel...

 

 

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